Sonntag, 18. Oktober 2015

Wie ein fernes Lied von Micaela Jary [Rezension]



Beschreibung:

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (10. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492306136
ISBN-13: 978-3492306133
Preis: 9,99 €

Inhalt:

Hamburg,1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges ...



Rezension:

Dieses Buch machte mich aufgrund seines Klappentextes sehr neugierig. Ich habe bisher noch kein Buch der Autorin gelesen, lese aber sehr gerne historische Romane oder Bücher, deren Handlung zur Zeit des Nationalsozialismus spielt. Meistens handeln diese Bücher von Insassen der Konzentrationslager und dies ist durchaus wichtig, denn diese schlimmen Ereignisse sollten nicht in Vergessenheit geraten. Hier jedoch interessierte mich vor allem, dass dieser Roman diese Zeit aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtete. Auch das das Thema Liebe eine große Rolle einnimmt sprach mich vor allem als Frau an. 
Die Autorin machte hier wirklich auf eine eindrucksvolle Weise darauf aufmerksam, wie sich selbst in den Bereich der Musik der Nationalsozialismus auswirkte. Ich habe daran ehrlich gesagt noch nie gedacht. Natürlich war mir bewusst, dass das Leben der Bürger in vielen Bereichen eingeschränkt war, aber das selbst bestimmte Musikrichtungen einer strengen Regelung unterworfen waren, wurde mir erst hier richtig bewusst. 
Die Handlung spielt auf zwei Ebenen. Einmal in der Zeit des Dritten Reiches und einmal 1999. Da sich diese regelmäßig abwechselten wurde es beim Lesen nie langweilig. Die Handlung der beiden Zeiten ist auf mehr als interessante Weise miteinander verbunden und der Leser taucht in der Handlung vollkommen ab. Ich wurde gefesselt von dem Verlangen zu erfahren, wie sich alles auflösen wird.
Marga ist eine wunderbar realistische Hauptprotagonistin auch wenn sie mir in manchen Sachen etwas naiv erschien. Sie wirkte oft egoistisch auf mich und doch trägt sie soviel Liebe in sich, dass es mich wirklich berührte. 

Michael, ihre Jugendliebe, war mir weniger sympathisch. Natürlich ist er in einer mehr als heiklen Situation und ich verstehe durchaus, dass er an sein Überleben denken musste, aber ein wenig mehr Emotionalität hätte ihm sicher nicht geschadet. 
Micaela Jary hat eine wunderbar spannende Art uns das Schicksal dieser beiden Figuren näher zu bringen. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Handlung entblättert sich dem Leser in ihrer ganzen Pracht. Sie hat eine wunderbare Art dem Leser die Hürden und Ängste dieser Zeit eindringlich näher zu bringen. 
Ich habe diesen Roman verschlungen und war am Ende mehr als gerührt. Ein großartiges Buch über die schlimmste Zeit unserer Geschichte und Liebe. 

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